Samstag 19 Mai 2012
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Schleifen und pinseln

Seit nun etwas mehr als zwei Monaten sind wir, meine Familie und ich, nun hier in Luzern und auch in der Stami. Viel ist seither geschehen. Ich musste mich vom Studienalltag wieder in den Arbeitsalltag einarbeiten und eingewöhnen. Ich muss zugeben, dass mir das einfacher fiel als umgekehrt. Ich habe auch ganz neue Dinge über mich gelernt. Ich meinte, dass ich handwerklich nicht ganz untalentiert sei. So machte ich mich frohgemut an kleine Renovierungsaufgaben in meinem Büro. Ich fing an, Fenster abzuschleifen, damit man sie wieder streichen könne. Zwei Maler haben mich ausgelacht und gemeint, ich mache das viel zu gründlich … Die Baustelle entwickelte sich für mich zu einer Grossangelegenheit. Zum Glück haben wir liebe Menschen in der Gemeinde, die tatkräftig Hand anlegten, und so kann ich jetzt in einem schönen Büro sitzen. Das viel zu gründliche Schleifen der Fenster musste ich dann aber doch selber ausbaden. Ich grundierte, strich den „Haftvorlack“ und dann schliesslich die eigentliche Farbe. Dazwischen musste ich immer 24 Stunden warten, bis die Farbe trocken war. Mühsam! Während dem Streichen passierten mir diverse Missgeschicke. So kollidierte ein Farbpinsel mit meiner Haarpracht, und da das Zeugs nicht mehr aus den Haaren will, gab es deswegen schon einiges zu erklären. Überall, wo ich war, hatte es danach Farbflecken.  Ich konnte so sauber arbeiten, wie ich nur konnte, danach waren Boden, Hosen und Pullover, Hände und eben sogar die Haare weiss … Je länger je mehr merkte ich, warum ein Maler sein Handwerk lernen muss! Ich würde einen sehr schlechten Maler abgeben …

Gott möchte auch etwas bauen. Seine Gemeinde! Sie soll wunderbar sein, und wir dürfen mithelfen, die Gemeinde zu gestalten. Ja, wir dürfen sogar die Gemeinde selber sein. Und wie ich mich freudig mit Schleifmaschine und Pinsel aufmachte, die Welt zu verändern, und dabei kläglich an meine Grenzen kam, so machen wir uns auch oft auf, motiviert und mit viel Unvermögen, das Universum zu verändern. Doch dann stehen wir plötzlich vor unserer geistlichen Baustelle und merken, dass wir es scheinbar nicht einmal geschafft haben, uns selber zu verändern. Unser Werk möchten wir niemandem präsentieren, weil wir uns dafür schämen. Nicht wenige ziehen sich von sich selbst desillusioniert zurück. Doch wenn wir genau hingucken, so merken wir, dass uns Gott immer wieder liebe Freunde zur Seite stellt, um unser Werk mitzugestalten und um uns zu helfen. Gemeinsam schaffen wir es, etwas Schönes zu gestalten. Und das Beste ist, was wir gemeinsam nicht schaffen, schaffen wir zusammen mit unserem Herrn Jesus Christus, der uns alle unsere Unvollkommenheit vergibt. Eines Tages werden wir als Gemeinde, als vollendete Gestalt vor Gott stehen. In der Bibel wird dies mit einer Hochzeit verglichen. Jesus der Bräutigam, und wir, die Gemeinde, seine Braut. Die schönste Braut, die es je gab! Das motiviert! Auf, lasst uns schleifen und pinseln …

Navitagion

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