Samstag 19 Mai 2012
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Ärgerliche Momente

Ärgerliche Momente

Kürzlich fuhr ich mit dem öffentlichen Verkehr am Samstag Abend nach Zürich zu einer Geburtstagsparty. Das Postauto fuhr infolge des Schneefalls langsamer. So kam es, dass ich auf dem Perron nur noch die Rücklichter „meines“ Zuges sah. Ich machte mir Vorwürfe. Warum war mir nicht bewusst, dass das Postauto im Schnee nicht so schnell fahren kann, und ich überlegte mir umzukehren. Denn für zwei Stunden Aufenthalt in Zürich drei Stunden Zug zu fahren schien mir doch übertrieben. Weil mein Kollege jedoch nur einmal 30 wird, entschied ich mich trotzdem zu fahren.

 

Ich war nicht der einzige, welcher diesen Zug infolge der Verspätung des Postautos verpasst hatte. Einer Frau, in den fünfzigern, ging es ebenso. Sie war verunsichert, welchen Zug sie nun nehmen sollte und fragte mich nach einer anderen Zugverbindung. Es stellte sich heraus, dass wir beide auf den selben Zug mussten. Um die Wartezeit von einer Stunde wärmer zu gestalten, lud sie mich in das Bahnhofsbeizli ein. Bei einem warmen Getränk erzählten wir uns, warum wir unterwegs waren. So erzählte ich, dass es sich für mich eigentlich nicht mehr so lohnt, nach Zürich zu fahren, weil ich am nächsten Morgen arbeiten muss. Auf ihre Frage, was ich denn arbeite, sagte ich, dass ich am anderen Tag eine Predigt halte und dass ich Mechaniker sowie Pfarrer sei. So entwickelte sich eine interessante Diskussion über Gott und die Menschen. Wir redeten miteinander, bis die Frau aussteigen musste. In der anschliessenden Ruhe im Zugabteil wurde mir bewusst, dass ich den Zug nicht einfach aus Zufall verpasst hatte. Auch wenn es im ersten Moment ärgerlich war, führte es zu einer Begegnung, die nicht zustande gekommen wäre, wenn alles reibungslos nach Plan funktioniert hätte.

Dieses Erlebnis zeigte mir wieder einmal, wie Gott Ereignisse gebraucht, die für uns im ersten Moment ärgerlich oder überflüssig sind. Ereignisse, die unsere Pläne durchkreuzen, aber zu etwas viel Besserem führen. Ich wünsche mir, viel offener zu sein, um solche Weichenstellungen Gottes aktiv zu gestalten.

Matthias Zülli

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