Der Pfahl muss rein!
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- Kategorie: Impulse
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- Geschrieben von Urs Wunderli
Der Zaun war schon alt und mitgenommen. Er verlief von unserem Hof aus die Strasse entlang bis zur Weggabelung beim grossen Birnbaum. Dort bog der Zaun ab, weiter die Hauptstrasse hinunter. Und weil der Zaun gerade an diesen beiden Strassen entlang verlief, sollte es eigentlich ein stabiler Zaun sein. Und so standen wir also an diesem Zaun, mein Vater und ich. Wir waren mit neuen, stabilen Pfählen, einem Locheisen und einem grossen Eisenschlegel ausgerüstet. Auch hatten wir einen kleinen Handschubkarren dabei, mit dessen Hilfe ich das Material zum nächsten kaputten Pfahl schob. Es hatte schon seit einer Weile nicht mehr geregnet, so dass der Boden ziemlich trocken war. Erschwerend kam noch die Strasse dazu. Das Strassenbett hat die Eigenschaft, die Erde neben der Strasse noch härter zu machen. Fazit: Wir hatten die schlechtesten Bedingungen, um Pfähle in den Boden zu rammen.
Mit dem Locheisen schlugen wir ein Loch in den Boden. Und dann kam der Pfahl! Mein Vater steckte ihn in das vorgefertigte Loch. Er hielt den Pfahl aufrecht und ich kletterte auf den Schubkarren, um mehr Höhe zu gewinnen und mit mehr Kraft zuschlagen zu können. Ich holte mit dem Eisenschlegel aus. Das schwere Eisen schwebte einen kleinen Augenblick auf der Höhe meines Rückens. Dann legte ich alle Kraft in meine Arme und das Eisen sauste voller Wucht und mit all meiner Kraft über meinen Kopf in Richtung des Pfahles. Das Eisen wurde durch den Pfahl jäh gebremst. Durch meine Hände und Arme ging ein starker Schlag, gefolgt von einem stechenden Schmerz. Der Pfahl hatte alle meine Kraft zu spüren bekommen, doch bewegt hatte er sich nur ein paar Millimeter in den Boden hinein. Ich hob das Eisen erneut empor und wieder schwebte es kurz auf der Höhe meines Rückens, um dann über den Kopf in Richtung Pfahl zu sausen und da jäh gebremst zu werden…
„Wenn Perspektiven für mein Leben fehlen, wenn ich nur noch die Schwierigkeiten seh. Wenn mich Enttäuschung und Versagen quälen, ich nur auf eingefahrnen Gleisen geh. Wenn Herz und Hände schwer und kalt geworden und was ich tue, Pflichterfüllung bleibt. Wenn die Verbindung zu Gott abgestorben, mein Leben nicht mehr gute Früchte treibt…“
Nach einer Weile wechselten wir die Rolle. Mein Vater kletterte auf die Schubkarre und ich hielt nun den Pfahl. Mein Vater holte aus und wieder sauste das Eisen auf den Pfahl nieder. In dem Moment, als das Eisen aufschlug, ging der Schlag durch den Pfahl und übertrug sich auf meine Hände und in meine Arme. Es war wie ein Stromschlag von dem man erfasst wird. Und wieder hatte ich das Gefühl, der Pfahl hätte sich nur Millimeter weit bewegt…
„Dann hilf mir Jesus neu auf Dich zu sehen, damit mich deine Kraft verändern kann. Du liebst mich doch und du kannst mich verstehen. Herr zünde neu dein Feuer in mir an!“
Nun habe ich schon lange keine Pfähle mehr in den Boden geschlagen. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass ich in einer ähnlichen Lag bin wie damals. Ich gebe all meine Kraft in etwas hinein, doch ich komme beinahe nicht vom Fleck. Die Perspektiven schwinden, wie damals, als wir verschwitzt und k.o. neben diesem Pfahl standen, den wir nun endlich in den Boden geschlagen hatten. Nun schweifte unser Blick auf die vielen anderen Pfähle, die auch noch in den Boden mussten…
Vielleicht geht es dir, lieber Leser, manchmal ganz ähnlich. Du schlägst Pfähle in deinen Alltag, kommst nicht vom Fleck, und alles was du siehst, ist, wie weitere Pfähle in den Boden müssen. Mitten in einem solchen Alltag klingt bei mir dieses Lied von Werner A. Hoffmann aus dem Lautsprecher. Und der Refrain dieses Liedes wird zu meinem eigenen Gebet:
„Dann hilf mir Jesus neu auf Dich zu sehen, damit mich deine Kraft verändern kann. Du liebst mich doch und du kannst mich verstehen. Herr zünde neu dein Feuer in mir an!“
Irgendwie erreicht mich dann diese göttliche Kraft, und plötzlich beobachte ich mich fasziniert, wie ich wieder die Ärmel hochkremple und - vielleicht grimmig, aber doch wild entschlossen - mich an den nächsten Pfahl heranmache. In den Boden muss er, jawohl! Und so wünsche ich dir ebenfalls viel Kraft unseres Herrn Jesus in deinem Alltag, auch wenn es einmal arg streng ist.
Foto: © Rita Thielen / PIXELIO
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